Peter Wurth Psychotherapeut

Die TV-Serie Billions wird von Kritikern für die realistische Darstellung der schamlosen Welt der Hedge Fonds an der New Yorker Wall Street mit Lob überhäuft. Dies ist jedoch nicht die einzige Welt, in die man im Laufe der Serie eintaucht. Einer der führenden Charaktere, Wendy Rhoades (von Maggie Siff gespielt) zeigt herausragend, welchen Effekt Performance Coaching, eine Form des Coaching zur beruflichen Leistungssteigerung, haben kann.
Die von ihr gezeigte Arbeit unterstreicht, dass es sich dabei um keine Touchy-Feely-Pseudowissenschaft handelt, sondern um wissenschaftlich fundierte Methoden zur Leistungssteigerung.

„Your value to the firm is absolute!“ (Bobby Axelrod)

Ihr Job als In-House-Performance-Coach ist, die brillanten und ehrgeizigen jungen MitarbeiterInnen eines Hedge Funds konstant auf höchstem Leistungsniveau zu halten. Ihr Boss, Bobby Axelroad (gespielt von Damian Lewis) sieht sie als eine der wichtigsten Assets seiner Firma („Your value to the firm is absolute“) Und weil es sich eben um eine Fernsehserie handelt, ist Wendy mit dem U.S. Oberstaatsanwalt Chuck Rhoades (gespielt von Paul Giamatti) verheiratet, dessen Ziel es ist, den Hedge Fund wegen Insiderhandels zu zerschlagen.

Überraschenderweise ist, abgesehen von all der obligatorischen Dramatik der Serie, Siffs Portrait eines Performance Coaches ausgesprochen zutreffend. In der ersten Episode hilft Wendy einem der FondsmanagerInnen, sein Mojo zurückzubekommen, nachdem sein Fonds gegenüber den seiner Kollegen weit unterdurchschnittlich performt hat. Wendy unterstützt ihn dabei, sich seiner unterschiedlichen Stimmen im Kopf bewusst zu werden: einerseits der Stimme, die ihn ständig als Verlierer und Loser bezeichnet; auf der anderen Seite die entgegengesetzte Stimme, die ihn antreibt und ihm bestätigt, der Größte zu sein (in der Gestalt-Therapie sprechen wir hier von Top-Dog – Under-Dog).

Wendy verwendet physische und mentale Taktiken. Sie fordert ihn auf, sich auf die zweite, starke zu Stimme fokussieren und sich mit ihr zu identifizieren. Mit Erfolg, er verlässt motiviert und voll Power das Büro. Diese Szene ist natürlich gespielt, es handelt sich nicht um die Realität, die Technik jedoch, die Wendy verwendet, ist ein Beispiel für effektives Coaching. Und in dieser Episode funktioniert es – innerhalb von 24 Stunden trifft er Entscheidungen die dazu führen, dass die Firma Millionen verdient.

Aus guten Performern werden Top-Performer

Nur zwei Episoden später hat Wendy der Firma durch die Unterstützung ihrer MitarbeiterInnen bereits Millionen eingebracht. Performance Coaching ist ein Set aus erprobten Techniken, die guten Performern dabei helfen soll, Top-Performer zu werden und ehemalige Top-Performern dabei unterstützt, ihr altes Leistungsniveau wieder zu erreichen.
Reframing, Konfrontation, Motivation, Atemtechniken, Haltungsänderungen, Perspektivenarbeit – all das kann schnell zu Leistungsverbesserungen führen, wenn es von einem Profil angewendet wird. Ein großer Teil des Performance Coachings beschäftigt sich mit Energiemanagement – man lehrt die EntscheiderInnen ihre physische, emotionale, mentale und spirituelle Energie für ein Maximum an Durchhaltevermögen und Effektivität zu nutzen.

Performance Coaching ist keine Therapie

Performance Coaching ist keine Therapie. Es geht hierbei nicht darum, unterdurchschnittliche MitarbeiterInnen zu bestätigen. Es geht nicht darum, Menschen dabei zu helfen, sich gut zu fühlen. Tatsächlich ist das Coaching oft bittere Medizin. Aber sie wird im Setting einer Beziehung verabreicht, in der großes Vertrauen und gegenseitiger Respekt herrscht. Um erfolgreich zu sein, benötigt es ein hohes Maß an Engagement und Commitment von beiden Seiten – und Erfolg ist obligatorisch in diesem Bereich.

Performance Coaching ist nichts für Amateure

Performance Coaching ist nichts für Amateure. In der Serie ist Wendy Psychotherapeutin und hat langjährige Unternehmenserfahrung. Diese Kombination ermöglicht es ihr, ihre Klienten auf tiefergehende Weise zu verstehen und gleichzeitig auf wirtschaftliche Regeln einzugehen, die ihr Verhalten antreiben. Als Therapeutin unterliegt sie einem strengen Verhaltenskodex, der die ethischen Richtlinien ihrer Arbeit vorgibt. Performance Coaching hat das Potential, sehr kraftvoll und mächtig zu sein. Daher ist die Kompetenz des Performance Coaches ausgesprochen wichtig. Jedes Werkzeug mit solch großem Potential kann destruktive Folgen haben, wenn es von den falschen Händen ausgeführt wird.
Wir werden in den kommenden Folgen sehen, ob Wendy Rhoades weiterhin ein positives – und realistisches – Licht auf performance Coaching werfen wird.

(Beitrag inspiriert von Gail Golden, Gail Golden Consulting: „What Billions’ Wendy Rhoades gets right about performance coaches“ Quelle Fotos: http://www.gailgoldenconsulting.com/billions-wendy-rhoades-performance-coaches)

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Peter Wurth ist Psychotherapeut und Coach in Wien. Er schreibt regelmäßig über die Themen Mental Health, Personal Development und Biohacking.
Weitere Artikel von Peter Wurth findest du unter www.peterwurth.at/blog
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